10 Tipps fürs Handling von schriftlichen Quellen, Fotos und anderen Dokumenten

Während subjektive Quellen, also Zeugen, oft Anlass für eine Recherche geben, sollte sich auf sie allein in der Regel keine Veröffentlichung stützen. Jede Behauptung sollte grundsätzlich durch eine objektive Quelle belegt werden können. Solche objektive Quellen sind in der journalistischen Arbeit in aller Regel Dokumente, deren Authetizität belegbar ist und die jederzeit nachprüfbare Informationen enthalten. Darunter fallen Urkunden, Briefe, Fotos, öffentliche Unterlagen, Landkarten, Videos, Tonaufnahmen, Aktennotizen, Verwaltungsdrucksachen, Bescheide, schriftliche Urteile uvm. Zu den objektiven Quellen gehören jedoch nicht nur diese klassischen Informationsträger, sondern auch Gegenstände, die auf bestimmte Art Auskunft zu einem Sachverhalt erteilen können: So kann eine Computerfestplatte mit entsprechenden Daten wesentliche Informationen dazu enthalten, zu welchem vorgeblichen Zeitpunkt und mit welchem Benutzernamen eine Datei abgespeichert wurde. Und frische Schmauchspuren an einer Waffe sind in aller Regel ein Indiz dafür, dass mit ihr geschossen wurde. Solche – bei Juristen „Sachbeweise“ genannten – Quellen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen, weil ihre Auswertung sehr oft der Interpretation bedarf. Doch es gibt weitere Stolperfallen beim Umgang mit objektiven Quellen:
Fehlerquelle 1: Echtheit objektiver Quellen
Die Quelle ist nicht die, wofür man sie hält. Es kann sein, dass eine Quelle – in der journalistischen Arbeit meistens ein Dokument irgendeiner Art – bewusst gefälscht wurde. Dies geschieht vor allem dann, wenn Personen bewusst Verdächtigungen von sich ab- oder auf andere lenken wollen. Erfahrungsgemäß tauchen falsche Informationen vor allem dort auf, wo das Milieu kriminalisiert bzw. moralisch erkaltet ist, wo es um große Schäden, viel Geld oder hohes Ansehen geht, oder wo wenig intelligente Menschen sich für besonders schlau halten und sich mit Fälschungen einen Vorteil zu verschaffen oder aus der Schusslinie zu ziehen gedenken. Während letztere Falschinfos oft laienhaft ausgeführt und mit einiger Übung und kritischer Begutachtung leicht zu enttarnen sind, hilft in den anderen Fällen oft nur eine weitere Expertise über die Quelle weiter. Besonders da, wo Quellen scheinbar die große Wende oder einen Meilenstein in der Recherche bedeuten, ist es sinnvoll, kritisch zu werden und die Echtheit der Quelle von einem unabhängigen Experten bestätigen zu lassen. Übrigens: Statistiken sind in der Regel nichts als Interpretation – und dabei oft ihrem Aussagezweck angepasst. Wie mit Statistiken umzugehen ist, muss an anderer Stelle wesentlich mehr Raum einnehmen. Hier sei nur deutlich vor ihnen gewarnt. Wenn möglich, darauf verzichten.
Fehlerquelle 2: Primär- und Sekundärquellen
Wie es bei den subjektiven Quellen die unmittelbaren und  die mittelbaren Zeugen gibt, so ist diese Einteilung auch auf objektive Quellen anzuwenden. Hierbei nämlich existieren einerseits die Primärquellen, die Bestandteil des Sachverhalts sind oder diesen unmittelbar dokumentieren – etwa das von den aufnehmenden Polizisten angefertigte Unfallprotokoll, die zur Abstimmung vorgelegte Stadtratsdrucksache, Baupläne, Gutachten usw. Sekundäre Objektivquellen hingegen sind Dokumente, die einen Sachverhalt beschreiben bzw. ein Dokument wiedergeben. Das kann der Zeitungsbericht über den Unfall ebenso sein wie ein Lexikon-Eintrag. Wissenschaftliche Veröffentlichungen werden häufig als Primärquelle angesehen, ihre Abgrenzung zu den üblicherweise den Sekundärquellen zuzurechnenden anderen Sachbüchern gestaltet sich aber häufig als schwierig. Auch die Polizei-Meldung zum Beispiel-Unfall ist nur schwierig einzuordnen: Einerseits handelt es sich um eine behördliche Stellungnahme, andererseits hat bereits der Verfasser die objektiven Fakten seiner Kollegen zusammengefasst und dadurch unweigerlich interpretiert. In diesen Grenzfällen tut der Journalist gut daran, solche Informationen als weniger belastbare Sekundärquellen anzusehen und sich dadurch auf die sichere Seite zu begeben. Denn es gilt: Soll die Information aus einerSekundärquelle verwendet werden, so sollte in jedem Fall die Primärquelle beschafft und abgeglichen werden.
Fehlerquelle 3: Informanten und anonyme Hinweise
Wie zuverlässig sind die Informanten? Meistens werden einem Journalisten vermeintlich objektive Quellen von Insidern zugespielt. Kennt der Rechercheur die Quelle bereits seit langer Zeit, ist die Einschätzung der Glaubwürdigkeit weniger schwierig. Vorsicht ist allerdings bei Informanten geboten, die aus eigenen Stücken sensibles Material anbieten und womöglich auch noch unbekannt sind. Bei ihnen ist es ganz besonders nötig, ihre Beweggründe für die Weitergabe der Information herauszufiltern. In aller Regel steckt ein persönliches Motiv dahinter. Das ist ein oft nicht besonders edler Grund, macht die vorgebrachten Dokumente im Allgemeinen aber nicht schlechter. In jedem Fall sollte der Journalist wissen, woran er bei seinem Informanten ist. Um das zu überprüfen, sollten die Vorgehensweise für subjektive Quellen gelten. Wichtig: Anonyme Hinweis- oder Informationsgeber sind mit äußerster Vorsicht zu genießen. Die von ihnen genannten oder übermittelten Quellen sollten, sofern sie überhaupt von Belang sind, lediglich als unsichere Basis für einen Recherche-Beginn sein. Falls die anonym eingereichten Quellen genutzt werden sollen, sind sie in jedem Fall durch einen Experten zu verifizieren. Besser noch: Der Journalist besorgt sich die Dokumente/Quellen zusätzlich von einem zuverlässigen Informanten.
Fehlerquelle 4: Nicht verifizierte Absender
Während die Herstellung falscher Urkunden und Unterschriften unter Briefen zumindest eine gewisse kriminelle Energie erfordert, sind andere Täuschungsversuche weniger aufwändig und zudem straffrei. Kein Wunder also, dass immer wieder Falschmeldungen ans Licht kommen, die daraus entstanden sind, dass Journalisten einer unbekannten Quelle blind geglaubt haben. Bekannte Beispiele sind unter anderem die „Bluewater-Affäre“ und der „Folter-Skandal“ um den angeblichen Bund Deutscher Juristen. In beiden Fällen – und es gibt etliche Beispiele mehr – sind sogar einige von Deutschlands größten Medienhäusern auf Absender hereingefallen, die sich letztlich als Fake entpuppten. Daher ist wichtig: Niemals blind auf die Richtigkeit von Faxnummern, E-Mail-Adressen, Postabsendern, Namen, Telefonnummern oder andere Kontaktdaten vertrauen. Immer durch eine unabhängige und verlässliche Quelle nachprüfen!
Fehlerquelle 5: Quellen im Internet
Und da kommt schon das nächste Problem: Was ist eine unabhängige und verlässliche Quelle? Geübte Täuscher machen sich gern auch einen psychologischen Trick zunutze: Als Empfänger einer Nachricht ist man gegenüber dem Kommunikationspartner skeptischer, als wenn man selbst der Absender ist. Das heißt: Die Quelle genießt einen ungeheuren Vertrauensvorschuss, wenn man aus eigenem Antrieb mit ihr in Kontakt tritt – auch, wenn man sie gar nicht kennt. Das nutzten die – bis heute unbekannten – Schwindler im „Folter-Skandal“: Sie hatten sich eigens einen Eintrag fürs große Online-Lexikon zusammengereimt und eine Homepage zum völlig frei erfundenen „Bund Deutscher Juristen“ erstellt. Bundesweit fielen die Journalisten wohl auch auf den Fake herein, weil sie aus eigenem Antrieb die Quelle zu verifizieren suchten, dabei auf die Falscheinträge stießen und offenbar aus dem Vorhandensein derartiger Webangebote den Beweis für die Glaubwürdigkeit der eingegangenen Mitteilung ableiteten. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass die Kollegen unter großem Druck an einem Feiertag arbeiteten. Doch es gelte die Warnung: Online-Quellen sind in den allermeisten Fällen nicht besonders belastbar – und oft schlicht falsch. Nur, weil Hunderte in sozialen Netzwerken etwas behaupten, wird es nicht zur Wahrheit. Und selbst die große Web-Enzeklopädie sollte nur als Hinweisgeber für weitergehende Recherchen genutzt werden, denn es ist kein Werk ausgewiesener Experten. Ausnahmen bilden behördliche oder behördenähnliche Auskünfte, die (auch) über das Netzt angeboten werden (wie Handelsregisterauszüge, Insolvenzbekanntmachungen, Verwaltungsdrucksachen, Who-is-Abfragen via denic etc. – und selbst da ist letztlich niemals klar, dass die Seiten nicht gehackt worden sind). Um der Glaubwürdigkeit und den Autoren von Webseiten und Online-Angeboten auf die Schliche kommen zu können, gibt es zahlreiche Methoden, die beim einfachen Auslesen des Quellcodes beginnen und bis zum Einsatz weiterführender aber legaler Software und Add Ons reicht – diese Möglichkeiten zu beschreiben, würde an dieser Stelle aber zu weit führen.
Fehlerquelle 6: Ungenutzte Traditionsquellen
Online, alles ist online, wenn‘s hoch kommt, wird noch auf eine Daten-CD zurückgegriffen. Doch, wer recherchiert schon heute noch in Archiven, Katastern, Registern und Bibliotheken? Zu den inzwischen am meisten unterschätzten aber mitunter glaubwürdigsten Primär- und Sekundärquellen gehören Papierdokumente, die in Regale, Ordnern, Schränken und Schubladen verstauben. Denn in ihnen steckt viel, was online einfach (noch) nicht erfasst ist. Ein weiterer Vorteil: In gedruckten Büchern und Archivalien steht meist weniger Schrott als im Netz, weil die Herstellung von Druckwerken aufwändiger und teurer ist. Wer sich nicht auskennt und nicht weiter weiß, findet oft gute Hilfe bei Bibliothekaren und Archivaren. Die sind teilweise zwar tatsächlich etwas kauzig, beißen sich aber gern mal in einer Recherche fest, wenn man ihre Arbeit wertschätzt. So findet man wichtige Verwaltungsvorgänge und alte Zeitungsartikel häufig ebenso in den Stadtarchiven wie die Adressbücher mit sämtlichen Einwohnerdaten vergangener Zeit, in Büchereien längst vergriffene Spezialliteratur und in Katasterämtern informative Lagepläne und Grundstückskarten. Auch auf alten Telefonbuch-CDs können wertvolle Informationen wie frühere Anschriften lagern – zudem bieten sie meist größere Auswertungsmöglichkeiten als heutige Telefonbuch-CDs, die strengeren Datenschutzvorgaben entsprechen müssen.
Fehlerquelle 7: Orte als Quellen
Gehört eigentlich eher zu den subjektiven Quellen, kann aber für die eigene Beschaffung von objektiven Quellen von großem Vorteil sein und ist für eine rundum gute Berichterstattung unerlässlich: die Recherche vor Ort. Über moderne Kommunikationskanäle lässt sich viel klären, aber Telefon, E-Mail und Social Media ersetzen das persönliche Gespräch so wenig wie Fotos, Videos oder Beschreibungen die Inaugenscheinnahme durch den Rechercheur. Nur so kann er Stimmungen einfangen, örtliche Zusammenhänge erschließen, Komplexitäten begreifen und daraus eigene Theorien entwickeln, die es zu belegen oder zu verwerfen gilt. Nicht zuletzt sind die zentralen Orte einer Recherche deshalb wichtige Anlaufstellen, weil an ihnen mit Zeugen gesprochen und objektive Quellen aufgetan werden können. So kann der Journalist Namensschilder und die Namen der Nachbarn in Erfahrung bringen oder an Mülltonnen Schriftstücke mit wesentlichen Informationen finden. Auch das Anfertigen von Fotos oder Videoaufnahmen ist möglich – im Rahmen der gesetzlichen Schranken.
Fehlerquelle 8: Nichtbeachtung rechtlicher Schranken
Bei seiner Arbeit muss der Rechercheur peinlichst darauf achten, nicht gegen geltendes Recht zu verstoßen. Das für Journalisten bei Ausübung ihrer Arbeit gesetzlich garantierte Zeugnisverweigerungsrecht (§ 53 Abs. 1 Nr. 5 StPO; kann zur Aufklärung schwerer Straftaten eingeschränkt werden) deckt zwar das Schweigen des Journalisten über seinen Informanten, auch wenn dieser unerlaubt Informationen beschafft und weitergereicht hat. Es erstreckt sich aber nicht auf die Informationsbeschaffung durch den Rechercheur selbst. Das heißt: Der Presseausweis ist nicht mit Narrenfreiheit gleichzusetzen. Im Gegenteil: Überschreitet der Rechercheur bei seiner Arbeit Grenzen, liefert er der Person seiner vermutlich nicht schmeichelhaften Recherche die juristischen und moralischen Waffen, die er zu einem effektiven Kampf gegen Berichterstattung und Autor braucht. Das kann richtig teuer werden – und der Person, zu der man Nachforschungen anstellt, in die Hände spielen: Sollte der Journalist auf dubiose Weise Beweise zu strafbaren Handlungen zutage fördern, könnte der Belastete bei einem etwaigen Prozess sogar ein Verwertungsverbot beantragen.
Doch so weit muss man gar nicht gehen. Um sich als Rechercheur unnötigen Ärger zu ersparen ist bereits wichtig zu wissen, dass man fremde Grundstücke nicht unerlaubt betreten und nicht im Abfalleimer wühlen darf, um die Post anderer Leute zu finden und mitzunehmen. Vorsicht auch bei Bild- und Tonaufnahmen! Schon das Anfertigen von Fotos kann einen Eingriff in die Persönlichkeitsrechte von Personen bzw. gegen das Hausrecht verstoßen. Ton- und Videoaufzeichungen sind noch strenger geregelt, denn die Vertraulichkeit des gesprochenen Wortes wird im deutschen Recht hoch gewertet. Verstöße gegen Persönlichkeits- und Vertraulichkeitsrechte können zivil- und strafrechtlich verfolgt werden. Selbiges gilt übrigens für das Öffnen fremder Post bzw. das Abhören von Telefongesprächen, was dem Brief- bzw. dem Fernmeldegeheimnis unterliegt. Auch das Überwinden von Passworten, um online in Datenbanken oder sonstige abgesicherte Netzwerke zu gelangen, ist strafbar. Nicht verboten hingegen ist das Surfen durch frei zugängliche Internet-Inhalte. Selbstverständlich gibt es weitere Tipps und Tricks, die eine legale und effektive Vor-Ort-Recherche ermöglichen und vereinfachen. Dies auszuführen, wäre an dieser Stelle aber zu viel.
Fehlerquelle 9: Fehlerhafte Dokumentation und Beweissicherung
Große Medienhäuser machen vor, wie es optimal funktioniert: Bei ihnen arbeiten eigene Dokumentare, so genannte Fact Checker, die vor der Veröffentlichung jeder Tatsachenbehauptung in einem Text nachgehen und jedes Foto bzw. Video auf seinen Inhalt hin überprüfen. Sie stellen sich Fragen wie: Ist Vancouver wirklich 4000 Kilometer von Toronto entfernt, wie vom Autor behauptet? Bei Beiträgen, die ein juristisches Nachspiel haben oder juristische oder natürliche Personen schaden können, müssen alle Behauptungen extrem wasserdicht sein – und auch noch nach Jahren belegt werden können. Und da nur die wenigsten Journalisten und Redaktionen über eigene Dokumentare verfügen, müssen sie gerade bei heißen Themen selbst sichern, was sie sichern können. Vor allem objektive Quellen – also Dokumente etc. – müssen nachweislich so aufbewahrt werden, dass ihre Glaubwürdigkeit niemals erfolgreich in Zweifel gezogen werden kann. In besonders pikanten Fällen ist es sogar nötig, die Sicherung der Dokumente so zu betreiben, dass dem Rechercheur keinerlei Manipulation unterstellt werden kann. Dies ist insbesondere nötig, wenn davon auszugehen ist, dass das Dokument an seinem ursprünglichen und offiziellen Aufbewahrungsort nach einigen Jahren nicht mehr zu finden sein wird – etwa im Falle von Unternehmen, die bestimmte Geschäftsdokumente gar nicht oder nur eine gewisse Zeit aufbewahren müssen. Für solche Fälle gibt es Dokumentations-Tricks wie die Hinterlegung beim Notar, der „versiegelten“ Eigenzustellung per Briefpost, des Abfotografierens mit aktueller Tageszeitung oder vieles mehr, das den Rahmen dieser Darstellung sprengen würde. Schwierig wird die Fakten- und Quellensicherung bei Online-Quellen: Zwar halten Webarchive-Dienste, Ausdrucke, Screen-Shots, Seiten- und Quellcode-Kopien sowie PDF-Sicherungen den jeweils aktuellen Stand der jeweiligen Internet-Veröffentlichung zur persönlichen Nachvollziehbarkeit fest. Besonders glaubwürdig oder sogar vor Gericht belastbar sind derartige Behelfsdokumentationen allerdings nicht. Bei besonders relevanten Web-Inhalten empfiehlt es sich daher, bestimmte Methoden der professionellen Beweissicherung einzusetzen, die hier aus Platzgründen nicht weiter erläutert werden sollen. Eine – zugegebener Maßen aufwändige – Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit der Eigendokumentation zu erhöhen: Die Website gemeinsam mit einem unbelasteten Zeugen studieren, einen Ausdruck der Seite erstellen, jedes einzelne Blatt mit Seitenzahl, Datum, der URL und dem Hinweis „Entspricht dem Inhalt der Website http://www.XXXXX.de am xx.xx.2010 um xx.xx Uhr“ sowie der eigenen Signatur und der Zeugenunterschrift versehen und dies schließlich bestenfalls beim Notar hinterlegen.
Fehlerquelle 10: Es fehlt etwas…
Für objektive wie auch für subjektive Quellen gilt: Informationen immer gegen-recherchieren! Nur eine Quelle ist – gar nichts! Oder höchstenfalls ein Hinweis. Der Double Check dient nicht nur dazu, eine Annahme bzw. Behauptung zu belegen – sondern auch auf etwaige widersprechende Quellen zu stoßen. Nicht selten stellt sich ein Sachverhalt zunächst eindeutig dar, beim Double Check wird dann aber offenbar, dass die vorliegenden Dokumente nur einen Teil des Ganzen wiedergeben. Das kann zu einem verzerrten oder gar komplett falschen Bild führen. Dabei ist zu beachten, dass selbst betroffene Quellen meist nur  jene Informationen weitergeben, die ihren Motiven nützen. Außerdem lagern widersprechende aber gleichwertige Quellen manchmal einfach nur an völlig verschiedenen Orten: Unmittelbar nach dem Desaster bei der Love Parade 2010 schoben sich mehrere beteiligte Stellen den schwarzen Peter zu – es wäre der Wahrheitsfindung nicht gedient gewesen, wenn Journalisten eine der Perspektiven eingenommen und sich nicht um die Dokumente der anderen Seiten gekümmert hätten.
Zusätzlich zu dem Problem unbekannter Quellen gibt es für den recherchierenden Journalist ein weiteres: Während unerfahrene Journalisten häufig im Nebel stochern, vertrauen alte Recherche-Hasen – wie auch viele langjährige Kriminalisten – oft auf ihre Erfahrung und legen sich schnell Theorien zurecht. Dabei ist die Gefahr groß, Quellen besonders ernst zu nehmen, die die eigenen Vermutungen untermauern, während Hinweise, die der Theorie zu widersprechen scheinen, teilweise oder völlig ausgeblendet werden. Schnell kann es da zu zurechtgebogenen Geschichten kommen, die sich in den Medien zwar gut verkaufen, aber bei einem etwaigen Gerichtsverfahren schnell zum Boomerang für den Journalisten werden. Doch wer gerade unpassende Fakten nicht ernst nimmt, verzettelt sich bereits bei der Recherche schnell – denn genau in (scheinbaren) Widersprüchen liegt allzu oft die Wahrheit…

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