Facebook und Fotos/Texte: Vorsicht vor der Lizenz-Falle!

Das Problem ist nicht neu, aber immer wieder akut: Die Lizenzvergabe ist im journalistischen Tagesgeschäft das Hauptproblem bei der Nutzung von Facebook, denn äußerst problematisch ist § 2 der Facebook-AGB. Demzufolge gewährt der Nutzer (also derjenige, der entweder ein Profil oder über seinen Account eine Fan-Seite bedient), Facebook eine „nicht-exklusive, übertragbare, unterlizensierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz“ für alle Inhalte, die auf Facebook veröffentlicht werden. Die – auch teilweise – Veröffentlichung von Texten, Bildern, Videos o.ä. auf Facebook, die dem Verbreiter (Journalist, Redaktion, Verlag, Sender etc.) vom Urheber zur Verfügung gestellt worden sind, ist demnach oft rechtswidrig: Der Urheber hat dem Verbreiter in der Regel keine Genehmigung erteilt, die Nutzungsrechte an seinem Werk weltweit zu übertragen oder unterzulisensieren, und noch weniger hat er dem Verbreiter erlaubt, seinerseits Facebook zu gestatten, das Werk weltweit nach eigenem Gutdünken zu nutzen und sogar nach eigenem Ermessen an andere zu übertragen und unterzulizensieren. § 2 AGB bedeutet jedoch genau das: Dass Facebook problemlos die geposteten Fotos von Fotograf X und die geposteten Texte von Auto Y für eigene weltweite Werbung benutzen oder sogar verkaufen dürfte – z.B. an Stock-Agenturen. Der Urheber, der dem nicht zugestimmt hat, kann sich mit seinen rechtlichen Asprüchen an denjenigen wenden, der die Inhalte Facebook überlassen, sie also gepostet hat.

Zusätzlich schwierig ist der AGB-Bestandteil, wonach Facebook die Inhalte auch noch „kostenfrei“ nutzen darf – das widerspricht der nach gängiger Rechtsprechung unabdingbaren Vorschrift auf angemessene Vergütung nach dt. Urheberrechtsgesetz, so dass sich ein Urheber, dessen Werke vom Verbreiter durch Upload automatisch an Facebook zur Nutzung weitergegeben wurden, an den Verbreiter wenden kann, um zusätzliche Honorare und ggf. Schadenersatzzahlungen geltend zu machen. Ganz rigoros gehen zuweilen Bildagenturen vor, deren Bilder auf Facebook geposteted werden.

Auch ein Facebook-Upload von Material, das scheinbar zur freien Nutzung im Internet bereitsteht (z.B. Youtube- oder Vimeo-Videos) kann u.U. verboten sein, da man das Material häufig zwar selbst nutzen, aber keinesfalls unterlizensieren oder zur Unterlizensierung und Weiternutzung freigeben darf. Es ist also wichtig, genau in den AGB oder Lizenzbestimmungen des Video-Anbieters nachzuschauen, ob man das Video bei Facebook hochladen darf. Auch bei Creative Commons-Lizenzen (z.B. Wikipedia) sind die verschiedenen Arten der Lizenz-Vorschriften zu beachten – z.B. Credits, zumal die Creative Commons-Lizenz nach deutscher Auffassung vom Urheberrecht nicht unkritisch ist.

Zwar sagt § 2 der Facebook-AGB aus, dass diese Lizenzen an Facebook nur so lange gelten, wie die Inhalte online bleiben. Problematisch wird es aber an der Stelle, an der diese Inhalte von anderen geteilt oder weiterverbreitet werden. Dann nämlich lassen sie sich nicht mehr zurückholen – und derjenige, der sie erstmals gepostet hat, hat ggf. ein riesiges Problem.

Lösung, um das § 2-Problem zu umgehen: Am besten kein urheberrechlich geschütztes Material auf Facebook veröffentlichen. Achtung: Auch per Link automatisch eingebettete Thumbnails von Fotos und Videos sowie die Eingangstexte von Webseiten, die bei Eingabe des Links in die Statusmaske automatisch generiert werden, sind ggf. urheberrechtlich geschützt, sobald sie eine gewisse Schöpfungshöhe erreichen. Diese automatisch entstehenden Thumbnails und Einganstexte sollten u.U. „händisch“ entfernt werden, so dass lediglich der Link erscheint (zur ggf. künftigen Problematik hinsichtlich der Widergabe von Snippets und Links ohne besondere Schöpfungshöhe wird auf die Berichterstattung zum Leistungsschutzrecht auf diesem Blog verwiesen).

Problematisch sind in Zusammenhang mit § 2 der Facebook-AGB auch die Persönlichkeitsrechte abgebildeter Personen. Fotografierte Protagonisten einer Reportage z.B. stimmen der Veröffentlichung für bestimmte Print-, Online- und Senderzwecke zu. Was sie womöglich nicht wollen ist, irgendwann in einer Werbekampagne für Anti-Falten-Créme aufzutauchen – und das auch noch, ohne dafür Geld zu bekommen. Kann aber theoretisch passieren, weil der Facebook-User mit dem Upload der Bilder Facebook gestatten, mit den Bildern zu machen, was es will – sie also auch weiterzuverkaufen. Also auch hier: Am besten keine Fotos hochladen, die irgendwelche Persönlichkeitsrechte berühren. Selbes gilt für Fotografien, die urheberrechtlich geschützte Werke wie etwa manche Kunstgegenstände oder Architekturobjekte zeigen, die nicht erkennbar nur Beiwerk des Hauptmotivs sind und deren Abbildung auch nicht von der sogenannten „Panoramafreiheit“ gedeckt ist.

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