Erschreckend kritiklos: Vorsicht bei Datenjournalismus, Teil I

Vorischt vor falschen Daten im Datenjournalismus

Vorischt vor falschen Daten im Datenjournalismus

Dieser Tage angekommen: „The Data Journalism Handbook“ von u.a. Jonathan Gray. Ein guter Leitfaden mit Praxisbeispielen durch die journalistische Disziplin des Datensammelns und -auswertens. Allerdings: Der Hinweis auf mögliche Gefahren beim Datenjournalismus kommt entschieden zu kurz – vor allem der auf die fragwürdige Verlässlichkeit der Basis-Daten.

Grundlage einer guten Recherche sind Fähigkeit und Wille, kritisch zu denken und erst einmal alles Mögliche in Frage zu stellen, auch auf die Gefahr hin, als nervig und kleinlich zu gelten und anzuecken. In der Recherche geht nicht darum anzunehmen oder zu glauben, sondern zu wissen und belegen zu können. Allerdings: Im deutschen Journalismus herrscht häufig Kritiklosigkeit im Umgang mit Quellenmaterial vor. Diese ist – mit Faulheit gepaart – besonders im derzeit gehypten Datenjournalismus zu finden: Um aus ihnen angeblich aussagekräftige Geschichten zu stricken, werden oftmals ohne vernünftigen Gegencheck (früher hieß das „intensive Redundanzrecherche“) öffentlich zugängliche Daten und Statistiken herangezogen, die in vielen Fällen bei einer Überprüfung ihrer Stichhaltigkeit glatt durchfallen würden: Da werden politisch geschönte Arbeitslosenzahlen verschiedener Jahre und Bundesländer mit völlig unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen zur angeblich glaubwürdigen Basis einer „Recherche“-Story erhoben, die dem Leser/Hörer/Zuschauer vorgaukelt, etwas Erkenntnisreiches über gesellschaftliche Tendenzen aussagen zu können. Doch wo aus lauter journalistischer Willen- oder Ahnungslosigkeit genmanipulierte Äpfel mit faulen Birnen zu einem Brei verrührt werden, sieht dieser allenfalls schön aus, hält jedoch nicht, was er verspricht.

Schade, dass sich viele (Daten-) Journalisten inzwischen  intensiver Gedanken darüber machen, über welche Software-Schnittstellen sie öffentliche Zahlen und statistische Erhebungen möglichst arbeitsarm auf den eigenen Rechner bekommen, als darüber, wie wahrhaftig, unverfälscht und aussagekräftig diese Daten wirklich sind. Dabei bietet vernünftiger Datenjournalismus riesige Möglichkeiten für wirklich neue Sichtweisen und Analysen. Er muss aber glaubwürdig sein.

Data Journalism Handbook

Data Journalism Handbook

Buchtipp: „The Data Journalism Handbook“; (Englisch/Taschenbuch); von Jonathan Gray, Lucy Chambers, Liliana Bounegru u.a.; 220 Seiten; Verlag: O’Reilly Media; Auflage: 1 (15. August 2012); Sprache: Englisch; ISBN-10: 1449330061; ISBN-13: 978-1449330064; Größe: 17,8 x 1,5 x 23,3 cm; 19,99 Euro (Sonderpreis z.T. 16,95 Euro); Die Open Source-Version gibt’s auch als kostenfreien Web-Download unter http://datajournalismhandbook.org/

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Eine Antwort zu “Erschreckend kritiklos: Vorsicht bei Datenjournalismus, Teil I

  1. Pingback: Der Umgang mit Big Data – Anforderungen an einen Datenjournalisten | Datentäter·

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